Der Ventilator klappert, Tuk Tuks schneiden hupend durch den Verkehr. Nichts hier behauptet, geordneter zu sein, als es ist.
Ein Buch von Markus Hündgen & Dimitrios Argirakos
Führen imUngewissen.
Was trägt dich, wenn das Außen seine Ordnung verliert? Dieses Buch beginnt dort, wo Rolle, Status und Kommunikationstechnik nicht mehr tragen.
Den Gedanken entdeckenDer zentrale Gedanke
Ordnung ist nicht Kontrolle.
Ordnung ist Handlungsfähigkeit unter Bewegung.
Prolog · Zwei Orte
01
Regen fällt gleichmäßig auf Asphalt. Alles wirkt kontrollierter, berechenbarer. Und doch ist die Stabilität brüchiger geworden.
Bangkok und Düsseldorf könnten unterschiedlicher kaum sein. Verbunden sind sie durch dieselbe Erfahrung: Die gewohnte Selbstverständlichkeit ist verschwunden.
Eine Beobachtung
Nach außen souverän. Innerlich ohne Halt.
Vielen Menschen in Verantwortung fehlt es nicht an Kompetenz. Sie können strategisch denken und unter Druck dennoch den Zugang zu sich selbst verlieren. Dann reagieren sie nur noch, statt zu führen.
Kontrolle
verspricht Sicherheit. Sie verengt aber den Blick, sobald sich die Lage bewegt.
Orientierung
entsteht nicht aus Gewissheit, sondern aus der Fähigkeit, Relevantes zu unterscheiden.
Handlungsfähigkeit
bedeutet, unter Druck beweglich zu bleiben – ohne beliebig zu werden.
Das Buch
Keine fertigen Antworten. Eine genauere Frage an Führung.
Das Ordnungsprinzip ist kein weiteres Management-Handbuch. Es ist kein Führungsstil und kein moralischer Maßstab.
Es untersucht die innere Struktur des Menschen, der führen will – über Körper, Herkunft und Wahrnehmung bis zu Konflikt, Macht, Öffentlichkeit, Sprache, Scheitern und Zeit.
Die Dramaturgie des Buches
Bevor du führst
- 01Masken runter!
- 02Führung beginnt im Körper
- 03Die Ordnung der Herkunft
- 04Wahrnehmung ist Verantwortung
Wo Führung sichtbar wird
- 01Leadership ist kein Titel
- 02Spontaneität als Führungsinstrument
- 03Konflikt ist ein Geschenk
- 04Die Kunst, sich unbeliebt zu machen
- 05Anschlussfähigkeit kann ein Makel sein
- 06Frauen in Führung
Wenn es ernst wird
- 01Der innere Krisenraum
- 02Führen im Irrationalen
- 03Unter Beobachtung
- 04Macht ohne Halt
Was von Führung bleibt
- 01Sprache als Schwert
- 02Das eigene Ego führen
- 03Der Moment des Scheiterns
- 04Zeit
- 05Führungsarbeit als Lebenspraxis
Aus dem Buch · Seiten 30–31
Führung beginnt im Körper
ORDNUNG BEGINNT IM KÖRPER…
… nicht, weil der Körper klüger wäre als der Kopf. Sondern weil er schneller ist. In instabilen Situationen entscheidet nicht, was du weißt. Sondern, was dein Nervensystem für sicher hält.
Wer innerlich ungeordnet ist, vermutet Gefahren überall. Der Körper geht in Alarmbereitschaft, noch bevor der Gedanke Form annimmt. Führung wird dann hektisch, defensiv oder überkontrolliert. Oft gut begründet, aber selten wirksam.
Körperliche Ordnung heißt nicht Entspannung. Sie heißt Regulierbarkeit. Die Fähigkeit, Spannung wahrzunehmen, ohne ihr ausgeliefert zu sein. Präsenz zu halten, ohne zu erstarren. Handlungsfähig zu bleiben, ohne in Aktionismus zu verfallen.
Deshalb ist körperliche Klarheit keine Vorbereitung auf Führung. Sie ist Führung. Wer seinen Körper nicht steuert, wird von ihm gesteuert. Durch Reflexe und Schutzmuster.
WARUM CEOS DISSOZIIEREN – UND WAS DAS ANRICHTET
Viele C-Level-Führungskräfte, mit denen wir arbeiten, sind strategisch stark – aber körperlich von ihren Empfindungen abgetrennt. Sie funktionieren. Aber sie sind nicht da. Sie denken, sie sind ruhig. Doch ihr Körper befindet sich in Alarmbereitschaft.
Dissoziation – das „Entschwinden“ vom eigenen Körper, die Abspaltung des eigenen Seins vom realen Hier und Jetzt – ist unter Menschen verbreitet, die permanent funktionieren müssen. Der Autopilot übernimmt. Aber eine Führungskraft, die sich selbst nicht spürt, nimmt auch ihr Team nicht wahr. Und trifft Entscheidungen, die nicht geerdet sind, sondern getrieben.
EIN BEISPIEL AUS DER PRAXIS
In einem unserer Trainings stand ein CTO vor seinem Führungsteam. Gute Folien. Starke Stimme. Klare Vision. Und doch: Keiner folgt ihm. Warum?
Weil er die ganze Zeit den Atem anhält. Weil sein Brustkorb eng ist. Weil seine Augen flackern. Die Menschen achten nicht auf seine Worte. Sie lesen seinen Körper – und spüren: Da ist Spannung. Da ist Angst. Da ist keine Klarheit, keine innere Ordnung.
Als wir ihn bitten, vor dem Sprechen nicht sofort zu antworten, sondern den Raum wahrzunehmen, den Boden unter den Füßen und die Spannung im eigenen Körper, verändert sich alles.
Innehalten. Die kurze Pause, die sich wie eine Ewigkeit anfühlt. Energie. Autorität. Nicht durch bessere Rhetorik. Sondern durch Ankommen. Im Moment. Im Körper.
FÜHRUNG IST EIN PHYSISCHER AKT
Führung ist kein rein kognitiver Vorgang. Sie ist Präsenz. Physische Anwesenheit. Wenn du in einem Raum bist, und die Menschen um dich herum ruhiger werden – dann führst du. Wenn deine Klarheit spürbar wird, bevor du etwas sagst – dann bist du angekommen. Das ist nicht trainierbar wie ein Elevator Pitch. Aber es ist entwickelbar.
Wer sich selbst spürt, wird spürbar. Wer spürbar ist, wird ernst genommen. Wer ernst genommen wird, kann führen.
Das Buch als Anfang
Interessant wird der Gedanke dort, wo er auf eine konkrete Lage trifft.
Für Gespräche, Medien, Vorträge und Formate rund um Führung im Ungewissen.
Kontakt aufnehmen ↗Im Verlagsshop ansehen ↗


